Effekte der sensorischen Wahrnehmung auf die Variabilität des Essverhaltens
1) Einleitung
Zwischen unserer sinnlichen Wahrnehmung und dem Essverhalten besteht eine Verbindung, die aus zwei bekannten Aspekten besteht. Es gibt Erklärungen, wie jemand schmeckt und diesen Geschmack empfindet und auch für die Vorgänge im Nervensystem, die zur Ausbildung von Vorlieben oder Abneigungen für Nahrungsmittel führen. Zwischen diesen beiden Faktoren besteht keine direkte Abhängigkeit im Sinne eines Ursache-Wirkungs-Prinzips und wie sie tatsächlich miteinander verknüpft sind ist noch unbekannt. Es gibt viele experimentelle Hinweise dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen der Geschmackswahrnehmung und dem Essverhalten geben muss.
2) Lieblingsgerichte: Aus Erfahrung gut
Zur Ausbildung von Nahrungsvorlieben ist unser Geschmackserkennungsgedächtnis von wesentlicher Bedeutung. In Tierversuchen konnte ermittelt werden, dass dieses Gedächtnis auf Erfahrungen mit dem Nahrungsmittel beruht. Einfluss üben hierbei die Sättigung und das Ausbleiben von Beschwerden während und nach dem Verzehr aus, die im Gehirn als Zeichen für Sicherheit und Anziehung gewertet und gespeichert werden. Entsprechende Speisen werden in der Folge vermehrt gegessen. Kommt es hingegen bei der Nahrungsaufnahme zu Magenschmerzen oder anderen Komplikationen, wird das Gericht als gefährlich und abstoßend empfunden und der Konsum eingestellt.
3) Ausgeprägte Neophobie bei Ratten
Bei Ratten wurde festgestellt, dass sie die maximal mögliche Menge an Milch trinken, solange sie noch gesäugt werden. Hier bestimmt die Verfügbarkeit den Konsum. Stellen sie sich auf die Folgenahrung um, entwickeln die Tiere eine Ablehnung gegenüber der unbekannten Nahrung und fressen nur sehr wenig davon. Erst nachdem sich der Verzehr als sättigend und beschwerdefrei erwiesen hat, beginnen sie die Mengen zu steigern. Auch konnte festgestellt werden, dass die Ratten keine fremden Nahrungsmittel miteinander kombinieren, um ein vermeintlich schädliches einwandfrei identifizieren zu können.

Das Geschmackssystem befindet sich hauptsächlich auf der Zunge, wo sich die Geschmackspapillen mit Geschmacksknospen befinden. Die Rezeptoren stehen mit den Geschmacksstoffen in Wechselwirkung und leiten über die Nerven Signale an das Gehirn weiter. Die verschiedenen Geschmacksstoffe bewirken eine jeweils typische Aktivität in den Nervenzellen und werden deshalb unterschiedlich wahrgenommen.
5) Kaloriendetektoren auf der Zunge
Die fünf Grundgeschmacksarten sind schon lange Zeit bekannt und gut erforscht. In den letzten Jahren konnten nun viele Erkenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen den Geschmacksstoffen und den Rezeptoren der Zunge gewonnen werden.
6) Bitterrezeptoren schützen vor Noxen
Die Rezeptoren der Zunge sind auch in der Lage dazu Bitterstoffe zu erkennen, wodurch wir gegen Schadstoffe (Noxen) geschützt werden sollen. Sie könnten verantwortlich für die individuellen, genetisch bedingten Unterschieden im Geschmack sein.
7) Genetisch bedingte Geschmacksempfindlichkeiten
Eine unterschiedliche Ausstattung mit Geschmacksrezeptoren könnte zu einer individuellen Geschmackswahrnehmung führen.
8) Zusammenfassung
Der individuelle Geschmack hat einen großen Einfluss auf die Nahrungsmittelwahl und entwickelt sich hauptsächlich durch Erfahrung mit dem verzehrten Essen. Es entwickeln sich Abneigungen und Vorlieben.
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Quelle:
Ernährungsforum des Instituts Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
Schriftleitung: G. Wolfram
Herausgeber: W. Druml, R. Meier, A. Weimann
„Des Heißhungers Zähmung“
Mechanismen von Hunger und Sättigung und deren Bedeutung für die praktische Ernährung
26. und 27. Juni 2008
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Sonderdruck der „Aktuellen Ernährungsmedizin“
Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart – New York
