Bedeutung des Magen-Darm-Traktes für Hunger und Sättigung
1) Einleitung
Die Frage nach der Bedeutung des Magen-Darm-Trakts für Hunger und Sättigung ist nicht einfach zu beantworten. Ein voller Magen führt nicht zwangsläufig zu einem Sättigungsgefühl und ein leerer Magen genauso wenig immer zu Hunger.

2) Geschmacksrezeptoren im Dünndarm
In sämtlichen Bereichen des Verdauungstrakts werden Signale für die Sättigung gebildet. Schon durch den Anblick oder Geruch einer Speise werden Botenstoffe ausgesendet, wobei ein als positiv empfundener Eindruck Hunger hervorruft. Im Mund kommen beim Verzehr nun die Geschmacksrezeptoren zur Geltung, die sich auch im gesamten Dünndarm finden lassen. Auch die Dehnung des Magens spielt eine gewisse Rolle, wobei der Effekt auf den Appetit und die Sättigung nur gering ausfällt. Wichtiger bzw. auch insgesamt am Bedeutungsvollsten sind hierbei die Signale des Dünndarms, weshalb auch ohne weiteres über einen vollen Magen hinaus weiter gegessen werden kann. Nach der Aufnahme der Nährstoffe ins Blut gibt es weitere Einflüsse, die zum Beispiel von der Leber ausgehen.
3) Cholezystokinin – ein physiologisches Sättigungssignal
Nahrungsbestandteile können Zeichen setzen, die eine Änderung im Sättigungsverhalten und dem Appetit auslösen. Das Cholezystokinin wird besonders durch langkettige Fettsäuren angeregt, die mehr als zwölf Kohlenstoffatome besitzen müssen. Dieses Hormon liegt im Körper in verschiedenen Formen vor und wirkt auf zwei bestimmte Rezeptoren.
4) Bedeutung der langkettigen Fettsäuren
Es hat sich experimentell herausgestellt, dass bei Anwesenheit von Fett im Dünndarm eine vorzeitige Sättigung eintritt und die Entleerung des Magens gehemmt wird. Eine Gabe der gleichen Mengen an Fett direkt ins Blut ergab hingegen keinen Einfluss. Folglich müssen die Sättigungssignale aus dem Dünndarm stammen.
5) Ohne Fetthydrolyse keine CCK-Freisetzung
Bei alleiniger Verabreichung von Fett in den Dünndarm wird also weniger gegessen, aber nicht bei Kombination mit dem Orlistat. Daher scheint die Spaltung des Fetts (Fetthydrolyse) von zentraler Bedeutung für die Sättigung zu sein. Auch die Unterschiede zwischen langkettigen und mittelkettige Fettsäuren konnten in Studien nachvollzogen werden und den Zusammenhang von ausschließlich langkettigen Fettsäuren und der Ausschüttung von Cholezystokinin (CCK) belegen. Nach einer Blockierung des CCK-Rezeptors verzehrten die Probanden etwa 9 % mehr Nahrung, was auf einen Einfluss des Hormons auf den Appetit hinweist.
6) Geschmackssensoren im Dünndarm
Der Zusammenhang von der Magendehnung und der Wirkung des Glukagon-like-Peptid wurde mittels eines 400 mL-Eiweißshakes in Kombination mit der Gabe des Peptids bewiesen. Die Dehnung verstärkte die Effekte des GLP-1 erheblich, also müssen die Signale des Darms mit denen des Magens in Verbindung miteinander stehen.

Die aufgenommene Nahrung gelangt portionsweise in den Dünndarm, wo ihre Bestandteile die Freisetzung von CCK, GLP-1 und PYY bewirken. Die dadurch ausgelösten Signale beeinflussen den Appetit.
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Quelle:
Ernährungsforum des Instituts Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
Schriftleitung: G. Wolfram
Herausgeber: W. Druml, R. Meier, A. Weimann
„Des Heißhungers Zähmung“
Mechanismen von Hunger und Sättigung und deren Bedeutung für die praktische Ernährung
26. und 27. Juni 2008
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Sonderdruck der „Aktuellen Ernährungsmedizin“
Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart – New York
