Von R. Imoberdorf der Medizinischen Klinik, Kantonsspital Winterthur


1) Einleitung

Die Nahrungsaufnahme ist ein instinktiver Überlebenstrieb und kommt daher in unserem Körper im Überfluss zum Tragen. Einer Reduktion des Essens und des Gewichts wird entsprechend stark entgegengewirkt, auch weil sich unsere Gene seit der Urzeit kaum verändert haben. Übersteigt die Energieaufnahme den Verbrauch, wird der Überschuss gespeichert. Unser Gewicht wird also vom Energiehaushalt geregelt, der aus zahlreichen, vernetzten Abläufen besteht. Greift man medikamentös in dieses System ein, kann dies viele unabsehbare Folgen mit sich bringen.

An der Steuerung der Energiezufuhr sind Hormone beteiligt, die sich gegenseitig beeinflussen und zwischen denen normalerweise ein Gleichgewicht besteht. Für eine Gewichtsabnahme kann entweder der Hunger vermindert oder die Sättigung gefördert werden, was mit einer Hormontherapie erreicht werden kann. Allerdings haben sie nur eine kurze Wirkzeit und müssen gespritzt werden, was gegen eine Anwendung spricht.
 

2) Hungerbremsen aus dem Busch

Eine praktischere Alternative stellt die Pflanze Hoodia gordonii dar, die traditionell in Südafrika verwendet wird. Sie soll Hunger und Durst vertreiben und wird daneben noch gegen Husten, Erkältungen und als Aphrodisiakum eingenommen. Hoodia ist heute auch in Kapseln erhältlich und wird häufig gekauft, obwohl eine Wirkung noch nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Lediglich in einer kleinen Studie wurde festgestellt, dass die Probanden nach einer etwa zweiwöchigen Anwendung um die 1000 kcal weniger zu sich nahmen.


3) Keine ideale Diätpille in Sicht

Die perfekte Diätpille müsste einen dauerhaften, hohen Gewichtsverlust erreichen, die adipositasbedingten Folgeerkrankungen mindern, die Sterblichkeit senken, eines gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen, eine hohe Verfügbarkeit besitzen und einen geringen Preis haben. In der Realität existiert solch ein Produkt nicht.

Bisher zeigen die Ergebnisse der Studien mit Medikamenten vielmehr eine gewisse Ähnlichkeit zu Diäten, da die Probanden sich nicht langfristig und konsequent an die Vorgaben halten. Ohne Durchhaltevermögen können auch Arzneimittel nicht wirken.
Medikamente werden in der Regel nur verschrieben, wenn alle Versuche zur Verhaltensänderung, Ernährungsumstellung und vermehrter Bewegung gescheitert sind. Auch ein hohes Übergewicht (Adipositas) oder ein leichtes Übergewicht mit bereits bestehenden Folgeerkrankungen sind eine Voraussetzung für solche Therapien.
 
4) Appetitzügler: viel Schaden, wenig Nutzen?

Im Stoffwechsel wirken neben den Hormonen selbst auch ihre Spaltprodukte, woraus sich komplexe Zusammenhänge ergeben. Ein Stoff kann wiederum verschiedene andere Substanzen beeinflussen und so in viele verschiedene Bereiche eingreifen. Ein einzelnes Hormon kann beispielsweise über direkte und indirekte Auswirkungen gleichzeitig für Schmerzen, Hunger und Sexualität verantwortlich sein. Greift man zur Gewichtsreduktion medikamentös in dieses vielschichtige System ein, werden neben den gewünschten auch immer unerwünschte Effekte auftreten.

Manche Mittel bergen erhebliche gesundheitliche Risiken. Die älteren Appetitzügler Aminorex (Menocil®) und Dexfenfluramin (Isomeride®) lösten als Nebenwirkung einen Bluthochdruck der Lungenarterien aus und mehrere Patienten verstarben. Beide Präparate wurden wieder vom Markt genommen.
 

5) Sibutramin verstärkt das Sättigungsgefühl

Das Sibutramin (Reduktil®) ist ein neueres Medikament zur Gewichtsreduktion, das die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin hemmt. Dies löst einen Anstieg der Konzentration der beiden Neurotransmitter im Zwischenhirn aus, wodurch das Sättigungsgefühl gefördert wird.

In Studien mit dem Präparat wurde eine eindeutige Gewichtsabnahme festgestellt. Allerdings soll es nur in Verbindung mit einer Diät angewendet werden und der Anteil des Sibutramins am Gewichtsverlust kann nicht eindeutig bestimmt werden. Daneben darf man auch die Gefahren durch Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen des Medikaments nicht vergessen.
 

6) Vielfältige Wirkungen von Rimonabant

Durch die Tatsache inspiriert, dass der Konsum von Cannabis den Hunger erhöht, wurde das Mittel Rimonabant (Acomplia®) entwickelt. Es blockiert die Cannabinoid-1-Rezeptoren (CB-1) im Hypothalamus und unterdrückt so den Hunger. Die Wirkung wurde eindeutig nachgewiesen, aber nach der Beendigung der Einnahme erfolgte wieder eine Gewichtszunahme. Die Therapie ist also nur bei einer dauerhaften Verwendung erfolgreich.

Beachtenswert ist bei diesem Medikament, dass sich die CB-1 auch im Fettgewebe, den Muskeln, der Leber, im Verdauungstrakt und der Bauchspeicheldrüse befinden. Dadurch kann bei einer Einnahme eventuell auch noch eine positive Wirkung auf Fettstoffwechselstörungen und eine Abnahme der Insulinempfindlichkeit erreicht werden. Diese Auswirkungen werden derzeit noch untersucht und eine Verschreibung kann daher nur in Ausnahmefällen erfolgen.
Das Rimonabant bringt aber auch negative Eigenschaften mit sich. Durch die Anwendung kann es zu Depressionen, Angststörungen und Schwindel kommen, sogar Selbstmorde wurden festgestellt. Für Menschen mit psychischen Problemen oder einer Anfälligkeit dafür, kommt eine Therapie nicht in Frage.
 

7) Zusammenfassung

Hunger und Sättigung werden durch Stoffe reguliert, die auch noch an zahlreichen anderen Abläufen im Körper beteiligt sind. Ein Eingriff in dieses System mit Medikamenten bringt immer auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Es wurden bei den Diätpillen teilweise gravierende gesundheitliche Auswirkungen festgestellt und viele sind wieder vom Markt verschwunden. Bei den neueren Mitteln liegen zum Teil noch keine ausreichenden Daten vor oder eine Verschreibung erfolgt aufgrund der negativen Effekte nur in besonderen Fällen.

Mit den derzeitigen Arzneistoffen lassen sich Gewichtsprobleme nicht zufriedenstellend lösen.

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