Gastrointestinale Mechanismen und ihre Bedeutung für die Behandlung von Adipositas
Von V. Schusdziarra des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin, Klinikum Rechts der Isar, München
1) Einleitung
Liegt ein leerer Magen vor, so ist das Hungergefühl ausgeprägt und das Sättigungsgefühl sehr gering. Nehmen wir eine Mahlzeit zu uns, erreicht das Sättigungsgefühl nach dreißig bis vierzig Minuten seinen Höhepunkt und geht anschließend langsam wieder zurück. Mit dem Hunger verhält sich hier genau andersherum. Zum Eintritt der maximalen Sättigung ist noch ungefähr neunzig Prozent der Nahrung im Magen, womit die Magenfüllung bzw. die damit verbundene Dehnung einen Einfluss auf das Sättigungsgefühl haben muss.
2) Kalorienzufuhr steigt mit der Energiedichte
Das Körpergewicht ist abhängig von der aufgenommenen Kalorienmenge. Wird Nahrung mit einer großen Energiedichte aufgenommen, nimmt man bis zum Eintritt der Sättigung mehr Kalorien zu sich als bei Speisen mit geringer Energiedichte. Das Volumen der Nahrungsmittel und somit auch die Magendehnung haben also einen Einfluss auf das Sättigungsgefühl.

Eine Steigerung der verzehrten Nahrungsmenge hängt oftmals stark von der Anzahl der Zwischenmahlzeiten ab. Scheinbar wird die zusätzliche Energie nicht richtig wahrgenommen und die Probanden nehmen bei den folgenden Mahlzeiten genauso viel zu sich, wie die Gruppe ohne Zwischenmahlzeiten. Somit kommen die Kalorien noch hinzu und werden nicht durch ein geringeres Hungergefühl ausgeglichen.
Durch eine Metaanalyse (Auswertung der Ergebnisse mehrerer Studien) konnte festgestellt werden, dass Diäten mit einem großen Kaloriendefizit und kalorienreduzierte Mischkost zwar zu einem Gewichtsverlust führten, aber die Patienten nach einem Jahr wieder deutlich an Gewicht zunahmen.
Die Aussagekraft dieser Analyse wird allerdings durch die stark abnehmende Probandenzahlen im Laufe der Studie abgeschwächt.5) Energiedichte senken
Eine Ernährungstherapie nach dem Grundsatz der geringen Energiedichte bietet den Vorteil, dass die Ernährung dauerhaft umgestellt wird, eine zeitliche Begrenzung nicht notwendig ist und auch die Umwelteinflüsse mitberücksichtigt werden. Dies scheint ein Vorteil gegenüber Diätformen, wie LowCarb, LowFat oder hoher Kaloriendefizite ohne Umstellung des Essverhaltens zu sein. Individuelle Ernährungsgewohnheiten können bei diesem Konzept beibehalten werden und Änderungen erfolgen nur in kleinen Schritten. Basis bilden dafür Ernährungsprotokolle über drei bis vier Wochen und im Anschluss folgt eine Modulation einzelner Mahlzeiten. Angestrebt wird eine Aufnahme der gleichen Nahrungsmenge bei einer geringeren Kalorienzufuhr, was über die Nahrungsmittel mit niedriger Energiedichte erreicht werden kann.

Studien haben ergeben, dass bei übergewichtigen Personen oft schon zum Frühstück eine sehr hohe Energiedichte bei den bevorzugten Lebensmitteln vorliegt. Häufig wurden Brot mit Butter und Wurst oder Käse verzehrt, die bei kleinem Volumen schon sehr energiereich sind.Daher wird empfohlen nur eine dünne Scheibe Brot ohne Butter und dafür mit mehr Schinken zu essen, da diese Kombination gut sättigt und weniger Kalorien hat. Anstatt Käse zu nehmen, ist Quark eine gute Alternative und Müsli sollte man besser durch Haferflocken mit frischem Obst ersetzen. So muss die verzehrte Menge nicht reduziert werden und die Kalorienaufnahme sinkt trotzdem leicht. Schon durch solche geringen Änderungen kann man bei dauerhafter Umsetzung im Jahr mehrere Kilo an Fett verlieren.
7) Naturprodukte zum Mittagessen
Zu den Hauptmahlzeiten sollten möglichst unverarbeitete Produkte, wie Fleisch, Fisch und Gemüse verzehrt werden. Sie besitzen eine viel geringere Energiedichte, als ihre verarbeiteten Varianten, die mitunter bei gleicher Menge das dreifache an Kalorien beinhalten. Auch bei den Zwischenmahlzeiten sollte auf die Energiedichte geachtet werden.
8) Gute Ergebnisse
Das Konzept der Energiedichte wurde bereits erfolgreich eingesetzt. Bei adipösen Patienten wurde neben dem Gewichtsverlust während der Therapie auch eine Fortsetzung der Reduktion im späteren Alltag festgestellt. Vor allem profitierten Diabetiker durch diese Ernährungsform.
9) Zusammenfassung
Hunger und Sättigung werden kurzfristig durch den Magen und den Hypothalamus gesteuert. Entscheidend ist hier die Dehnung und die Magenfüllung und somit das Volumen der Nahrung. Für eine überhöhte Kalorienaufnahme sind hauptsächlich eine große Energiedichte der Nahrungsmittel, flüssige Kalorien, eine große Auswahl und häufige Mahlzeiten verantwortlich.
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Quelle:
Ernährungsforum des Instituts Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
Schriftleitung: G. Wolfram
Herausgeber: W. Druml, R. Meier, A. Weimann
„Des Heißhungers Zähmung“
Mechanismen von Hunger und Sättigung und deren Bedeutung für die praktische Ernährung
26. und 27. Juni 2008
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Sonderdruck der „Aktuellen Ernährungsmedizin“
Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart – New York
