Süßstoffe
Immer wieder höre oder lese ich von Leuten Aussagen, dass Süßstoffe „dick machen“ oder „schädlich“ sind. Das stimmt so definitiv nicht!
Was sind Süßstoffe überhaupt?
Süßstoffe sind synthetische und natürliche Verbindungen mit einem intensiv süßen Geschmack und zählen zu den Lebensmittelzusatzstoffen.
Lebensmittelrechtlich werden Süßstoffe als Süßungsmittel deklariert und eine Zulassung ist vorgeschrieben
Da Süßstoffe über eine sehr starke Süßkraft verfügen, sind in den Produkten nur geringe Mengen notwendig.
Verwendung
Wegen ihrer Kalorienlosigkeit und dem vorherrschenden Schönheitsideal sind Süßstoffe inzwischen hierzulande stark verbreitet.
Vor allem in diätetischen Erzeugnissen, wie z.B. Lightprodukten, sind Süßstoffe enthalten.
Im Handel sind Süßstoffe als Streu- oder Flüssigsüße und als Tabletten erhältlich und weisen eine lange Haltbarkeit auf (Aspartam bildet hier eine Ausnahme).

Sorten
Acesulfam-K (E 950) ist ein synthetischer Süßstoff mit der 200-fachen Süßkraft von Zucker. Er besitzt einen angenehm kühlenden Geschmack, ist nicht kalorisch, hitzebeständig und sehr zuckerähnlich.
Zugelassene Höchstmenge = 25 bis 2500 mg pro kg bzw. L des Produkts
ADI = 9 mg pro kg Körpergewicht.
Zugelassene Höchstmenge = 25 bis 6000 mg pro kg bzw. L des Produkts
ADI = 40 mg pro kg Körpergewicht.
Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) ist eine chemische Verbindung aus Aspartam und Acesulfam im Verhältnis 3:2, besitzt die 350-fache Süßungskraft von Haushaltszucker und zerfällt im Organismus in seine Bestandteile. Daher entsprechen alle Angaben den der Einzelkomponenten.
Cyclamat (E 952) bezeichnet Zyklohexansulfamidsäure (von der neuen Rechtschreibung bekomme ich Augen-Krebs) und ihre Salze, die alle synthetisch sind. Diese Verbindungen sind geschmacksneutral, hitzebeständig und lange lagerfähig.
Zugelassene Höchstmenge = 250 bis 1600 mg pro kg bzw. L des Produkts
ADI = 7 mg pro kg Körpergewicht.
Saccharin (E 954) und dessen Salze werden chemisch synthetisiert, vom Organismus schnell aufgenommen und unverändert wieder ausgeschieden, wodurch sind sie nahezu kalorienfrei sind.
Saccharin-Na besitzt die 300-500-fache Zuckersüßkraft und der ADI ist bei allen Derivaten etwa identisch.
Zugelassene Höchstmenge = 80 bis 3000 mg pro kg oder L des Produkts
ADI = 5 mg pro kg Körpergewicht
Sucralose (E 955) ist eine weiße, wasserlösliche, kristalline Verbindung, die chemisch aus Haushaltszucker und Chlor (auch Chlorzucker oder Trichlorgalaktosesaccharose genannt) hergestellt wird. Die Süßkraft ist 600-mal stärker, als die des Zuckers alleine und die Verbindung ist frei von Kalorien.
Zugelassene Höchstmenge = 10 bis 3000 mg pro kg oder L des Produkts
ADI = 15 mg pro kg Körpergewicht.
Thaumatin (E 957) ein natürlicher Süßstoff, der aus dem Eiweiß einer in Westafrika wachsenden Staude gewonnen wird und durch die geringe Ausbeute relativ teuer ist.
Zugelassene Höchstmenge = 50 bis 400 mg pro kg bzw. L des Produkts
Dieser Süßstoff ist auch in hohen Mengen unbedenklich, weswegen hier kein ADI-Wert existiert.
Neohesperidin (E 959) wird synthetisch aus Flavonoiden (Pflanzenbestandteile) hergestellt und besitzt keine Kalorien. Durch seinen mentholhaltigen Beigeschmack wird es jedoch nur selten zugesetzt oder in Verbindung mit Aromen oder anderen Süßstoffen.
Zugelassene Höchstmenge = 10 bis 400 mg pro kg oder L des Produkts
ADI = 5 mg pro kg Körpergewicht
Stevia zählt per Definition zwar nicht zu den Süßstoffen, soll aber dennoch kurz erwähnt werden.
In der EU ist Stevia (zählt hier als „Novel Food“) bisher nicht zugelassen, weil die toxikologischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Somit ist die gesundheitliche Unbedenklichkeit noch nicht ausreichend belegt.

Kommen wir zuerst zu den schlechten Nachrichten...
Im Jahr 2001 kamen Weihrauch et al in einer Fall-Kontroll-Studie zu dem Ergebnis, dass bei starkem Süßstoffkonsum ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko besteht.
Den schlechten folgen üblicherweise die guten Nachrichten....
In allen folgenden Studien konnten kein statistisch signifikant erhöhtes Krebsrisiko beim Menschen festgestellt werden und auch die mutagene Wirkung wurde nicht bestätigt, trotz gleicher Versuchsbedingungen.
Noch ein paar Gedanken zur Vorgehensweise in manchen Untersuchungen.
Zum Glück gibt es aber auch Studien, die sich objektive Messungen stützen.
Bei teilweisem Ersatz von Zucker durch nicht kalorische Süßstoffe erfolgte ein Gewichtsverlust, wie es de la Hunty et al. (2006) in einer Metastudie anhand von 16 Interventionsstudien feststellen konnten.
Kanders et al. untersuchten 1990 den Einfluss von Süßstoffen auf die Gewichtskonstanz.
Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass eine signifikante Senkung der Energieaufnahme und des Körpergewichts durch den Konsum süßstoffhaltiger Lebensmittel anhand zahlreicher Studien und Meta-Analysen bestätigt wurde.
Auch wenn ich meine persönliche Meinung zu den Studien doch ein „wenig“ zum Ausdruck gebracht habe, sollte sich jeder sein eigenes Urteil bilden.
Ich für meinen Teil werde mir auch weiterhin literweise Flüssigsüßstoff in meinen Magerquark schütten und Cola light trinken.
Weiterführende Links und Quellen von Apus:
Quellen, die zeigen, dass kein Insulin ausgeschüttet wird:
- Sadovnikova NV, Fedotov VP, Aleshina LV, Shvachkin IuP, Girin SK, Aspartame--the sweet-tasting dipeptide--does not affect the pancreatic insulin-secreting function, Probl Endokrinol (Mosk). 1984 Jul-Aug;30(4):67-9.
- Calculation of the intake of three intense sweeteners in young insulin-dependent diabetics.
Food Chem Toxicol. 2001 Jul;39(7):745-9.
- Effects of artificial sweeteners on insulin release and cationic fluxes in rat pancreatic islets.
Cell Signal. 1998 Nov;10(10):727-33.
- Sweet taste of aspartame and sucrose: effects on diet-induced thermogenesis.
Appetite. 2000 Jun;34(3):245-51.
- Comperative effects of fructose, aspartame, glucose and water preloads on calorie and macronutrient intake. Am J Clin Nutr (1990) 51: 428–35
- Aspartame ingestion with and without carbohydrate in phenylketonuric and normal subjects: effects on plasma concentration of aminoacids, glucose and insulin. Metabolism (1990) 39: 391–6
- Einfluss von Süßstoff-Lösungen auf die Insulinsekretion und den Blutglucosespiegel. Ernährungs-Umschau (1993) 40: 152–6
- Gewichtsreduktion mit saccharose- oder süßstoffhaltiger Reduktionskost? Ernährungs- Umschau (1995) 42: 430–7
Quellen, die zeigen, dass Süßstoff (Aspartam) in normalen Mengen das Krebsrisiko nicht erhöht bzw. keine anderen gesundheitlichen Risiken bietet:
- Consumption of aspartame-containing beverages and incidence of hematopoietic and brain malignancies. In: Cancer Epidemiol. Biomarkers Prev. Bd. 15, S. 1654-1659
- Aspartame and susceptibility to headache. In: N. Engl. J. Med. Bd. 317, S. 1181-1185
- Artificial sweeteners and cancer risk in a network of case–control studies. Annals of Oncology, 18 (2007): 40 – 44
- http://www.efsa.europa.eu/en/science...ions/1471.html
- http://ec.europa.eu/food/fs/sc/scf/out155_en.pdf
- http://www.cfsan.fda.gov/~lrd/fpaspar2.html
Quellen, die allgemein die positive Eigenschaft von Süßstoff auf die Gewichtsreduzierung zeigen:
- merican Dietetic Association (ADA): Position of the american dietetic association: use of nutritive and nonnutritive sweeteners. Journal of the American Dietetic Association (2004) 104: 255–75
- A review of the effectiveness of aspartame in helping with weight control. Nutrition Bulletin (2006) 31: 115–28
- Low-calorie sweeteners and other sugar: a review of the safety issues. CRFSFS (2006) 5: 35–47
- Intense Sweeteners and the Control of Appetite. Nutr Rev (1995) 53: 1–7
- Effects of intense sweeteners on hunger, food intake, and body weight: a review. Am J Clin Nutr (1991) 53: 872–8
- Effects of sugar intake on body weight: a review. Obesity Reviews (2003) 4: 91–9
Quellen:
Mein besonderer Dank geht an die EU-Kommission, die mir freundlicherweise einige interne Unterlagen zur Verfügung gestellt hat.
Scientific Committee on Food (SCF)
„Opinion of the Scientific Committee on Food: Update on the Safety of Aspartame“
vom 4. Dezember 2002
European Food Safety Authority (EFSA)
„Opinion of the Scientific Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in contact with Food (AFC) on a request from the Commission related to a new long-term carcinogenicity study on aspartame“
vom 3. Mai 2006
Weihrauch et al
„Künstliche Süßstoffe - Haben Sie ein kanzerogenes Potenzial?“
2001
Medizinische Klinik
DellaValle, Roe, Rolls
„Does the consumption of caloric and non-caloric beverages with a meal affect energy intake?“
2005
Appetite
de la Hunty et al
„A review of the effectiveness of aspartame in helping with weight control.“
2006
Nutrition Bulletin
Ernährungs-Umschau
„Süßungsmittel - ein Überblick“
Ausgabe 02/03 ab Seite 60
„Süßstoffe“
Ausgabe 02/05 ab Seite B 5
Bundesinstitut für Risikobewertung
Stellungnahmen zum Thema Süßstoffe
http://www.bfr.bund.de/cd/3862?index=83&index_id=5018
Ursula Schöffling
„Arzneiformenlehre“
4. völlig überarbeitete Auflage
2003
Deutscher Apothekerverlag Stuttgart
Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus
„Der Brockhaus Ernährung“
3. vollständig überarbeitete Auflage
2008
F.A. Brockhaus Mannheim – Leipzig

