monatelang haben die Menschen zugesehen wie Banken mit geliehenem Geld gerettet wurden, dann wieder kurz vor der Pleite standen, wieder gerettet wurden und so weiter. . .
Demonstrationen oder gar Widerstand gegen diese Systematik waren die Ausnahme.
Bis vor wenigen Tagen in New York die Aktion "Occupy Wallstreet" entstand die binnen kurzer Zeit weltweit Anhänger und Ableger gefunden hat.
In Rom demonstrierten kürzlich bis zu 200 000 Menschen gegen das Bankensystem (leider ist diese Demo durch wenige Hundert Chaoten aus dem Ruder gelaufen).
Auch in London, Madrid, Stockholm, Kopenhagen und sogar in Frankfurt gingen viele Menschen auf die Straße. Selbst aus Manila, Tokio und Hongkong werden Menschenaufläufe berichtet.
Was meint Ihr? Ist die Occupy-Bewegung mal wieder nur ein kurzes Strohfeuer oder der Beginn von etwas, was das System wirklich ändern kann?
Und falls wirklich was etwas geändert werden kann, wie sollte Eurer Meinung nach, ein "neues" System aussehen?
Hier ein Clip von Maybrit Illner von dieser Woche.
Wolfram Siener ist der Organisator von Occupy in Frankfurt.
Kommt meiner Meinung nach etwas arrogant rüber aber er stellt die richtigen Fragen finde ich.
Das ist doch nur Sensationsgeilheit der Menschen. Ich nenne es "Stuttgart 21"-Phänomen. Wenn man sonst nichts zu tun hat geht man halt auf die Straße und stiftet dort unheil. Irgendwas gegen das man demonstrieren kann um seine Unzufriedenheit (mit ganz anderen Dingen) auszudrücken, gibt es immer.
Ich will damit nicht sagen, dass die Proteste gegen das Bankensystem unberechtigt sind.
Über 50% des Börsenhandels wird heute über Hochfrequenzhandel getätigt. Selbst kleine Börsen wie Zürich "rüsten auf" und kommen auf über 20%, mit Luft nach oben. Wenn sich dann Computer die Mistpapiere zuschieben bis es nicht mehr geht braucht man sich doch nicht wundern, dass einiges schief läuft.
Um nur mal einen Randaspekt zu nennen, der leicht korrigiert werden könnte.
Insgesamt sehe ich die Finanzmärkte als zu mächtig und zu komplex als dass sich großartig was ändern würde. Daher wird es das beste sein, das ganze solange laufen zu lassen bis der ganz große Bumm kommt oder am besten ausbleibt.
Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.
Das Problem dürfte die internationale Verflechtung der Teilnehmer sein. Selbst wenn ein Staat oder auch mehrere etwas unternehmen wollen, wird es irgendwo auf der Welt einen Flecken geben, der nicht mitzieht. Dank Internet und Onlineanbindungen muss man sich bzgl. dieser Abgeschiedenheit allerdings wenig Gedanken machen und kann also problemlos weiterhin seinem Geschäft nachgehen.
Und wie weit die Differenzen gehen, zeigt uns doch schon das EU-Mitglied Großbritannien im ewigen Gleichklang mit den USA: die strikte Ablehnung einer Transaktionssteuer. Klar, die würde vermutlich dem letzten Platz, auf dem auf der Insel noch Geld verdient wird, wohl den Todesstoß versetzen.
Was meinst du damit? Staatspleiten ohne Ende? Alles auf Null? Kompletter Restart? Bürgerkriege?
Goldstandard zum Beispiel.
Ich habe gerade dein Video von Wolfram Siener angeschaut, der 2 Dinge gesagt hat die mir sehr gefallen haben:
Punkt 1: wir häufen Schulden an, die wir nie wieder zurückzahlen können. Möglich macht das das Geldsystem. Es wird einfach noch mehr Geld gedruckt. Und falls das Nachdrucken irgendwann mal nicht mehr stattfindet oder stattfinden kann muss es eine neue Lösung geben. Das wäre z.B. alles auf 0 und Goldstandard. Das wäre ein ganz großer Bumm, da er uns überspitzt in die Steinzeit zurückkatapultiert. Momentan wäre z.B. Deutschland ein riesen Profiteur davon.
Punkt 2: die Banken haben die Macht aber schaffen es nicht sich selbst zu regulieren. Auch das ist korrekt und die Frage ist: wollen sie nicht oder können sie nicht? Was ich bisher weiß ist nur, dass die Politik es nicht kann.