Was ich aus meinen Fehlern gelernt habe

Übersetzt von Swivige // Geschrieben von Chad Aichs // Copyright by


Ich bin nicht der Kerl, der dieses Wissen für sich behält. Stattdessen versuche ich, mein Wissen an andere Powerlifter zu vermitteln, die besessen von Kraft sind. Ich tue das, weil ich mich mit ihnen identifiziere und ihnen helfen will, die zahlreichen Fehler zu vermeiden, die ich über die Jahre gemacht habe.

Einer der zahlreichen von mir begangenen Fehlern und der, den ich immer wieder bei anderen sehe, hat mit der Art zu tun, wie wir Trainingsprogramme betrachten. Kraftsportler neigen dazu, ihren Trainignsplan mit falschen Augen zu sehen. Ich muss zugeben, dass ich immer nach einem Ein-Satz-Programm gesucht habe, welches mir zu großen Zuwächsen verhilft und das über Jahre. Ich sehe nun so viele andere Sportler, die nach eben diesem magischen Programm suchen, das ihnen Antworten über richtig und falsch liefert. Je komplizierter und schwieriger ein Programm ist, desto mehr Leute glauben, dass es funktioniert. Sie scheinen geblendet zu sein von den ganzen Prozenten, Wellen, Sätzen, Wiederholungen und Woche für Woche ist alles starr festgelegt! Die simple Tatsache ist aber, dass Krafttraining im Prinzip sehr einfach ist. Du zerstörst deine Muskeln im Studio und sie erholen sich, wenn du nicht im Studio bist. Daher wirst im Studio selbst schwächer und außerhalb des Studios stärker. Ja, dort spielen noch andere Dinge mit rein, aber das ist die grundlegende Wahrheit des Krafttrainings. Obwohl die grundlegenden Konzepte des Krafttrainings einfach sind, wenden sich Kraftsportler dennoch den komplizierteren Programmen zu! Mit der Zeit habe ich gelernt, die ganze Scheiße wegzulassen und zu den grundlegenden Wahrheiten über Kraft vorzudringen, was wiederum meine Trainingspläne vereinfachte. Diese Vereinfachung geschah allmählich. Aber meine Erfahrung war, dass ich stärker wurde, je einfacher meine Programme wurden.

Eine andere Wahrheit über Kraft ist: Jeder ist anders. Das scheint eine sehr einfache und unbestreitbare Theorie zu sein, aber manchmal scheinen es die Leute nicht zu begreifen. Wir haben alle unterschiedliche Regenerastionsraten, Stoffwechsel, Schwachstellen, Verhältnis zwischen schnellen und langsamen Muskelfasern, unterschiedliche Mentalitäten und unterschiedliche Reaktionen auf unterschiedliche Trainingsvolumen. All das führt mich zu der Überzeugung, dass es kein ein Satz-Programm für jeden geben kann. Wie denn auch? Klar funktionieren diese strengen Programme vielleicht für einige Leute, aber nicht für jeden. Die Leute sind körperlich einfach zu verschieden. Nur weil Hans Wurst ein bestimmtes Programm macht, heißt das noch lange nicht, dass es bei dir funktionieren wird. Die Leute müssen anfangen das zu beachten. Sie müssen sich selbst fragen, ob dieses Programm, mit dem sie eine Menge Zeit und Arbeit verbringen werden, überhaupt halbwegs klug ist und bei ihnen funktionieren kann.

Die nächste Sache, die ich festgestellt habe, hat zu tun mit dem Ursprung des Programms. Mir wird bei dem Gedanken schlecht, wenn Leute sich an komplexen russischen Programmen wie dem „Sheiko“ Programm versuchen. Ich begreife einfach nicht, warum die Leute nicht darüber nachdenken woher diese Programme stammen und für wen sie gemacht wurden! Die meisten dieser Programme wurden für Athleten entwickelt, die in jungen Jahren ausgewählt wurden, um im Kraftsport groß zu werden. Sie sind die Creme de la Creme mit der besten Veranlagung , die es in diesem Land gab. Ich wette, die meisten der Leute, die dieses Programm probieren, sind nicht die Genetikfreaks, für die dieses Programm entwickelt wurde. Was lässt Hans Wurst denken, er könnte mit einem genetischen Übermenschen mithalten? Dann gibt es diese Hautständer, die sagen, sie hätten sich dem Kraftsport verschrieben und sie hätten dieses tolle Konzept, das sie entwickelt haben. Mein erster Gedanke ist immer: Warum sollte jemand, der sein Leben der Kraftsteigerung verschrieben hat, sein Leben lang schwach bleiben wollen? Nicht der Typ, auf den ich hören würde! Darüber hinaus betreiben diese Typen Nachforschungen über Jahre und als Ergebnis kommt am Ende ein modifiziertes russisches Programm raus. Dann führen sie Studien durch an Personen, die noch nie trainiert haben und behaupten, das effektivste Trainingsprogramm entwickelt zu haben! Tatsächlich würden diese Leute von alles möglichem stärker werden! Dann haben wir die ganze Topathleten, die ihre Trainingssysteme vermarkten. Tja, die meisten von ihnen sind Genetikfreaks, die Hans Wurst erzählen, er sollte genauso trainieren! Es ist immer die gleiche Leier und funktioniert nur in den wenigsten Fällen.

Gerade jetzt glaube ich, ich sollte aufhören zu behaupten, Hans Wurst könne nicht unglaubliches leisten und sich mit den Genetikfreaks messen. Der Unterschied ist, dass Hans Wurst seinen eigenen Weg wählen muss, um dies zu erreichen. Er wird es nicht schaffen, die Programme der Genetikfreaks durchzuziehen. In den meisten Fällen denke ich sogar, dass der Genetikfreak an die Spitze kommen würd mit egal welchem Programm. Hans Wurst muss schlauer bei seinem Training vorgehen, aber er kann es an die Spitze schaffen. Ich bin der lebende Beweiß dafür! Wenn ich es mit meiner durchschnittlichen Veranlagung, all meinen Schlafproblemen und dem Kompartmentsyndrom zu einem Weltklasseathleten geschafft habe … dann kann das fast jeder!



Deinen eigenen Weg zu bestreiten, ist eine der zentralen Wahrheiten im Kraftsport, über die viel zu wenig gesprochen wird. Es ist die erlernte Fähigkeit, auf seinen Körper zu hören, und diesem auch zu vertrauen. Dies ist eine extrem schwierige Aufgabe, doch es wird dir die größten Zuwächse gestatten. Es hat mich einiges an Zeit gekostet, zu lernen, auf meinen Körper zu hören und dementsprechend zu handeln, aber je besser ich darin wurde desto stärker wurde ich auch! Zu viele Kraftprogramme haben strikte Angaben zu Wiederholungen, Setzen, Prozenten und Übungen, ohne das Körpergefühl des Athleten ins Kalkül zu nehmen oder seine Lebensumstände. Es gibt bei diesen Programmen keine Möglichkeiten, diese für die Bedürfnisse des einzelnen abzuwandeln. Das ist ein riesiger Fehler. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sogar das russische Programm das auf eine gewisse Art tut. Sie haben die finanziellen Möglichkeiten. durchgehende Tests am Athleten durchzuführen und der Trainier hat die volle Kontrolle. Also wird eine Trainingspause eingelegt oder das Training wird angepasst, wenn der Athlet beginnt auszubrennen oder ins Übertraining kommt. Hans Wurst hat diesen Luxus nicht. Er muss lernen, seinen Körper wahrzunehmen und zu verstehen. Er muss lernen zu merken, wann er ins Übertraining kommt, er das Tempo erhöhen muss, er entladen muss, was er essen muss, wie viel er essen sollte, welche Übungen am besten wirken, was seine Schwachstellen sind und all so ein Zeug. Deinen Körper zu verstehen, ist eine der schwierigsten und effektivsten Dinge, die du tun kannst, um unglaubliche Stärke zu erreichen.